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Gespräch mit einem faszinierenden Zeitzeugen

Werner Kahn war vor dem Krieg in Frankfurt aufgewachsen und hatte Deutschland im Jahr 1939, buchstäblich in letzter Minute, verlassen.

Mit immer kräftigerer Stimme erzählte der über achtzig Jahre alte, vitale Herr den Schülern von seinem Leben. Zunächst sprach er Englisch, plötzlich wechselte er ins Deutsche über, das er Jugendlicher zuletzt gesprochen hatte. Fasziniert lauschten ihm die 15- und 16-jährigen Schülerinnen und Schüler. Als Junge hatte Werner Kahn in Frankfurt die Samson-Raphael-Hirsch-Schule am Zoo besucht, er hatte dann eine Ausbildung zum Koch am Jüdischen Krankenhaus begonnen; nur noch in jüdischen Institutionen konnten junge Deutsche jüdischen Glaubens damals als Lehrlinge arbeiten, in anderen Betrieben war ein Ausbildung für sie nicht mehr möglich. Mit 16 Jahren emigrierte er mit seinen Eltern nach Mexiko, für dieses Land hatten sie ein Visum bekommen. Später gelang es ihnen, eine Einreiseerlaubnis für die USA zu bekommen, wo sich die Familie dann in San Diego, Kalifornien, niederließ.

Interessiert stellten die Schülerinnen und Schüler Fragen. Welche Schwierigkeiten stellten sich beim Neustart in Mexiko, und dann wieder in den USA? Hatte er schon Englisch sprechen können, bevor er Deutschland verließ?Es wurde deutlich, welche Härten selbst die „glücklichen“ Emigranten zu bewältigen hatten. Bitter war die Frage nach den in Deutschland zurückgebliebenen Verwandtem: Sein in Nied lebender Onkel, der beliebte Hausarzt Dr. Carl Kahn, war bereits 1938, nach der Reichspogromnacht, verhaftet und einige Wochen in Buchenwald eingesperrt worden. Eine Emigration gelang ihm nicht mehr; als er 1942 deportiert werden sollte, beging er mit seiner Frau aus Verzweiflung Selbstmord. Ihr Grab befindet sich auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in der Eckenheimer Landstraße. Heute erinnert eine Sandsteinstele vor dem Nieder Friedhof an ihn. und der Platz vor dem Friedhof wurde nach ihm benannt.

 

Die Schüler waren tief berührt davon, dass Werner Kahn so offen und ohne Rachegefühle von seinem Schicksal erzählte. Auch dass er mit offenbarer Freude auf die vielen interessierten Nachfragen reagierte, bewegte sie.

 

Wir danken Frau Kulbartz sehr für die Organisation dieser Begegnung, die sie mit Unterstützung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit möglich.

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