Wie aus einer geheimnisvollen Kiste mit 200 Briefen eine bewegende Jazz-Oper wurde. Erfahren Sie mehr über den Besuch des New Yorker Komponisten Ted Rosenthal an der Hela und eine Familiengeschichte, die tief bewegt.
Bewegende Begegnung mit Geschichte: „Dear Erich“ an der Hela
Am 16. April um 14 Uhr versammelten sich über 100 Schülerinnen und Schüler in der Aula, um der Aufführung der Oper „Dear Erich“ zu lauschen. Die Veranstaltung, ermöglicht durch die Konrad-Adenauer-Stiftung, richtete sich an verschiedene Altersgruppen: Neben Musik- und Ethikkursen nahmen auch zahlreiche jüngere Schülerinnen und Schüler freiwillig und aus eigenem Interesse teil.

Der Komponist Ted Rosenthal reiste aus New York an und trat gemeinsam mit seinem international besetzten Trio auf: am Kontrabass ein Musiker aus Mazedonien, der heute in Köln lebt, sowie ein Schlagzeuger aus Gießen.
Eine Entdeckung im Familienerbe
Zu Beginn führte Ted Rosenthal in die Entstehungsgeschichte seiner Oper ein. Diese ist eng mit seiner eigenen Familiengeschichte verbunden: Seine Großeltern Herta und Theodor lebten in den 1930er Jahren in Wetzlar. Ihr Sohn Erich wurde 1938 aufgrund seiner jüdischen Herkunft von der Universität Gießen verwiesen und emigrierte daraufhin in die USA, wo er in Chicago studierte, eine Familie gründete und schließlich Vater von Ted Rosenthal wurde.

Viele Jahre später, im Jahr 2015, wurde Ted Rosenthal nach Wetzlar eingeladen. Im Zuge dieser Reise erinnerte er sich an eine Kiste mit persönlichen Dokumenten, die er von seinem Vater geerbt, jedoch nie geöffnet hatte. Darin entdeckte er rund 200 Briefe seiner Großmutter Herta an ihren Sohn Erich – geschrieben während der Zeit des Holocaust.

Jazz trifft auf Zeitgeschichte
Diese Briefe wurden später vollständig ins Englische übersetzt. Die intensive Auseinandersetzung mit diesen sehr persönlichen Zeugnissen berührte Rosenthal tief und inspirierte ihn dazu, die Oper „Dear Erich“ zu komponieren. In der Aufführung an der Hela wurden sowohl Ausschnitte aus der Originalproduktion auf der Leinwand gezeigt als auch zentrale Passagen live vom Trio interpretiert. Zwischen den musikalischen Beiträgen erläuterte Ted Rosenthal die Inhalte und Hintergründe der einzelnen Stücke. Für die jüngeren Zuhörerinnen und Zuhörer wurden Teile der Moderation übersetzt.

Dialog zwischen Künstler und Publikum
Die Atmosphäre während der Aufführung war bemerkenswert konzentriert. Die Schülerinnen und Schüler verfolgten das Geschehen aufmerksam und reagierten besonders auf die eindrucksvollen Live-Darbietungen mit großem Applaus.
Im anschließenden Konzertgespräch entwickelte sich ein intensiver Austausch: Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen. Dabei entstanden persönliche und nachdenkliche Momente, die die Wirkung der Aufführung noch vertieften.

Ein bleibender Eindruck
Zum Abschluss nahm sich Ted Rosenthal Zeit für Autogramme und Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern. Die Veranstaltung endete in einer durchweg positiven und bewegten Stimmung. Wir freuen uns sehr über diese besondere Erfahrung und hoffen, dass sie unseren Schülerinnen und Schülern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.