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Begegnung mit Zeitzeugin Susan Fleishman

Das Buch, das ihr Leben komplett veränderte

Bericht einer Zeitzeugin an der Helene Lange Schule

Teilnehmende Personen :

Susan Fleishman, Tochter von Ruth Rosenfeld, die Zeitzeugin

Anwesende Klassen : 9b und 9c

Anwesende Lehrkräfte : Frau Dr. Schäfer und Frau Kulbartz

Susan Fleishman, Tochter deutsch-jüdischer Eltern, die sich in Amerika trafen, besuchte am 2. Juni 2015 auf Einladung der Vereins Jüdisches Leben in Frankfurt und der Fachschaft Geschichte der Helene-Lange-Schule die Schule.

 

Die Fachschaft Geschichte der Helene-Lange-Schule hat sich sehr gefreut, als es ihr gelang den Besuch von Susan Sachs Fleishman an der Schule zu organisieren. Susan Fleishman ist die Tochter von Ruth Rosenfeld, die bis 1939 in Frankfurt lebte und dann mit ihrer Schwester zuerst nach England und schließlich 1940, getrieben von der Angst vor einer drohenden Invasion Englands, in die USA emigrierte. Ihre Eltern, die aus Altersgründen kein Visum bekommen hatten, wurden deportiert und ermordet.

Ruth Rosenfeld, geboren 1920, war Dichterin und hielt als junge Frau ihre Erlebnisse und Gefühle während der Zeit der Entrechtung und Verfolgung in ausdruckstarken Gedichten fest. Ihre Flucht beschrieb sie in einem Tagebuch. Doch nie sprach sie über die Zeit der Unterdrückung – als ihre Tochter nach dem Tod ihrer Mutter die Gedichte und ihr Tagebuch fand, war sie erschüttert darüber, was ihre Mutter ihr Leben lang verschwiegen hatte.

Sie sorgte für die Publikation der tief bewegenden Gedichte (Ruth Rosenfeld, Im Nichts verloren. Den Nazis entkommen – Gedichte und Aufzeichnungen einer jungen jüdischen Frau, 2002).

 

 

Bericht einer Schülerin über die Begegnung mit Susan Fleishman:

 

Susan Fleishman, Tochter deutsch-jüdischer Eltern, die sich in Amerika trafen, berichtete über das Leben ihrer Mutter Ruth Rosenfeld.

Ruth Rosenfeld, die im Jahre 1939 der Zeit des Nationalsozialismus nach USA floh, verfasste schon als Jugendliche Gedichte. Sie war ein typischer Teenager und die Jüngste in der Familie, daher war sie auch ein wenig verwöhnt. Ruth war eine gute Schülerin und liebte es Gedichte zu verfassen, die ihre Situationen beschrieben.

In den Jahren 1933 bis 1939, als Ruth Rosenfeld Gedichte schrieb, wurden die Juden isoliert, vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen und verarmten. In der Zeit wollte ihre Mutter eine Universität besuchen und ihr Lieblingsfach Literatur studieren, aber sie hatte keine Chance auf eine höhere Schulbildung oder gar darauf, die Universität zu besuchen. So verfasste sie zu Hause Gedichte und brachte sie später zu einem Buch zusammen.

Im August 1939 verließen die damals neunzehnjährige Ruth und ihre vierunddreißigjährige Schwester Carol, gemeinsam Deutschland und flohen nach England, wo sie durch eine Flüchtlingsorganisation Hilfe und Unterkunft bekamen. Jedoch mussten die beiden Geschwister sich trennen. Als sie in den USA ankam, traf Ruth Rosenfeld einen deutschen Mann, Flüchtling wie sie, den sie später heiratete und mit dem sie eine Tochter bekam, Susan Fleishman.

Nachdem ihre Mutter 1991 im Alter von 71 Jahren an Krebs gestorben war, bekam Susan Post von ihrer Tante, in der die Gedichte ihrer verstorbenen Mutter waren. Da die Gedichte auf Deutsch geschrieben waren, eine Sprache, die sie nur begrenzt beherrschte, schickte sie sie an einen durch Freunde vermittelten literarischen Übersetzer, Thomas Dorsett, und ließ sich die Gedichte ins Englische übertragen.

Sie war begeistert von der Intensität und sprachlichen Schönheit der Gedichte; gleichzeitig war sie aber auch entsetzt und schockiert, als sie las, was ihre Mutter geschrieben hatte. Susan hatte über die Kindheit ihrer Mutter nur sehr wenig gewusst, da Ruth Rosenfeld sich geweigert hatte, mit ihrer Tochter oder auch anderen, darüber zu sprechen. Nun war es zu spät, um nachzufragen.

Deshalb fragte sie nun ihre Tante, die ihr Vieles über die Kindheit ihrer Mutter und das Leben im Nationalsozialismus erzählte. Sie und ihre Tante lasen die Gedichte und interpretierten sie gemeinsam. Durch das Lesen der Gedichte bekam Susan ein klareres Bild vom Leben ihrer Mutter.

Ihr Übersetzer und Freund, Thomas Dorsett stellte sie auch dem Verlegerehepaar, David und Margaret Diorio, vor, die sich dazu entschlossen, die übersetzten Gedichte in den USA als Buch zu veröffentlichen. Das Buch bekam sehr gute Rezensionen, in Deutschland wurde eine Lehrerin namens Ursula Dreysse darauf aufmerksam und kontaktierte Susan Fleishman. Gemeinsam entschlossen sie sich, die deutschen Originale zu veröffentlichen, eingebettet in eine Biografie von Ruth Rosenfeld und die Geschichte der Entdeckung der Gedichte.

Susan Fleishman begann verschiedene Schulen zu besuchen und über ihre Mutter und ihr eigenes Leben, das sich durch die Entdeckung der Gedichte verändert hatte, zu berichten. Wir freuen uns, dass auch wir sie kennenlernen durften. Vielen Dank!

Büsra Kurnaz

Bericht aus dem Höchster Kreisblatt

 

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